Brückenschlag in Mitte

Wollte man als Radfahrer von Moabit in die Rosenthaler Vorstadt, hatte man bislang die Qual der Wahl zwischen Invaliden- oder Reinhardtstraße, also zwischen Pest und Cholera – keine Radverkehrsanlagen, dichter Auto-, Bus- und Lieferverkehr. Das ändert sich mit dem Umbau der Invalidenstraße. Nachdem der Abschnitt Hauptbahnhof – Chausseestraße bereits im Dezember dem Verkehr übergeben wurde, folgt nun am 29. August die Strecke bis zum Nordbahnhof.

Eng ist sie geworden, die Invalidenstraße. Kein Wunder. Aus ehemals zwei Fahrspuren und zwei Parkspuren sind nun sechs geworden: vier für Kfz inkl. Tram, aber eben erfreulicherweise auch zwei anderthalb Meter breite Radfahrstreifen.

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Dabei sahen die ersten Planungsstände gar keine Radverkehrsanlagen vor. Der ADFC hatte in den Beteiligungsverfahren diesen Mangel kritisiert. Wegen dieser und weiterer Planungsmängel zog die Senatsverwaltung die Pläne zurück und startete neu. Ursprünglich sollte die Tramlinie zur Eröffnung des Hauptbahnhofes in Betrieb gehen. Am 29. August ist es aber nun so weit und die beiden derzeit am Nordbahnhof endenden Linien M10 (von der Warschauer Straße – alle 5 min.) und M8 (von Ahrensfelde – alle 10 min.) fahren weiter bis Hauptbahnhof.

Für Radfahrende bedeutet das Ende der Bauarbeiten nicht nur die Aufhebung der Vollsperrung am Nordbahnhof – sie sind die eigentlichen Gewinner des Umbaus. Denn zur Rush-Hour kommen Tram und Autos kaum voran und Fußgänger müssen sich über schmale Bürgersteige und durch Arkaden quetschen. Für den Radverkehr hingegen gibt es jetzt von Alt-Moabit bis Nordbahnhof durchgängig eigene Radfahrstreifen oder Radwege, auf denen man am Stau vorbeiradelt.

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Für Fußgänger wird es leider enger

An der Scharnhorststraße gibt es für linksabbiegende Radler eine eigene Haltebucht, damit man seinen Zeitgenossen nicht beim Warten im Wege steht. Für Radler weniger komfortabel sind hingegen die anschließenden Tram-Haltestellen am Invalidenpark und an der Chausseestraße. Die Bahnsteige sind mit Ampeln von beiden Seiten abgesichert und man wartet unter Umständen ohne erkennbare Grund vor der roten Fahr­rad­ampel. Wird es dann grün, juckelt man am besten gemütlich und bremsbereit über das 60 Meter lange Stück und rechnet mit kreuzenden Passanten.

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Haltestelle an der Scharnhornstraße mit Haltebucht für Linksabbieger

Hat man die Chausseestraße überquert, ist man jedoch kurz darauf am Nordbahnhof angekommen. Von hier hat man Anschluss an die Bernauer Straße Richtung Prenzlauer Berg oder über die Gartenstraße an die Spandauer Vorstadt.

Problematisch bleibt die Invalidenstraße in dem nicht umgebauten Abschnitt zwischen Garten- und Brunnenstraße. Im Moment radelt es sich zwischen den Tramschienen leidlich gut, aber mit dem Ende der Baustelle wird hier der Kfz-Verkehr sicherlich wieder deutlich zunehmen und Radler an den Rand drängen, die zwischen parkenden Autos (Achtung Türen!) und Rillenschiene (Achtung Sturz!) nicht gut aufgehoben sind.

Trotz dieses Wermutstropfens – die Invalidenstraße wandelt sich für Radler zu einer wichtigen neuen Verbindung und wird mit Sicherheit weitere Berliner auf das Fahrrad locken.

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