Brandenburger wollen Dieben das Handwerk legen

Was als Studienprojekt begann, wurde zum vielversprechenden Start-up: Die beiden Brandenburger Mechatroniker Christian Anuth (32) und Markus Weintraut (29) wollen ein intelligentes Fahrradschloss auf den Markt bringen. TEXT UND FOTOS VON KATRIN STARKE

Obwohl bislang nur Prototypen existieren, haben Kunden schon 1.500 Schlösser geordert – Ergebnis einer Crowdfunding-Kampagne, die den Gründern fast 170.000 Euro einbrachte. „Wir wollten Sicherheit und Komfort miteinander verbinden“, sagt Christian Anuth, während er den jüngsten Prototypen in seiner Hand wiegt. Ein muschelförmiges schwarzes Kunststoffgehäuse, in dem sich ein Stahlbügel, Sensoren und Leiterplatten verbergen. Die Zielgruppe: „Alltagsradler, die kurze Besorgungen in der Stadt machen und ihr Rad immer wieder ab- und aufschließen müssten.“ Was viele nicht tun. „Und Gelegenheit macht  bekanntlich Diebe.“ Denen wollen die Haveltec-Gründer das Handwerk legen.

Das von ihnen entwickelte Sicherheitsschloss wird am Rahmen unter dem Sattel montiert, schließt oder öffnet sich mittels Bluetooth-Funkübertragung vollautomatisch, sobald der Besitzer in der Nähe ist. Voraussetzung ist ein Smartphone, das sich mit dem System verbindet. Schlüssel oder Zahlenkombinationen werden überflüssig. Wer kein Handy hat, muss nicht verzichten: „Wir bieten alternativ einen Handleser an.“ Nimmt ein Räuber das Rad unter den Arm, wird ein Alarm ausgelöst. „I Lock It“ haben die Existenzgründer ihr Schloss genannt, das sich mittels GPS-Tracker lokalisieren lässt. So wird auch die App heißen, mit der Radbesitzer die Berechtigung zum Freischalten des Schlosses an Freunde weitergeben können.

Mechatroniker Christian Anuth (32) zeigt, wo »I Lock It« am Fahrrad montiert wird. Im Frühjahr soll das intelligente Schloss auf den Markt kommen. Foto: Katrin Starke

Mechatroniker Christian Anuth (32) zeigt, wo »I Lock It« am Fahrrad montiert wird. Im Frühjahr soll das intelligente Schloss auf den Markt kommen. Foto: Katrin Starke

Erst Anfang August haben Anuth und Weintraut ihren neuen Firmensitz bezogen: Bäckerstraße 1, direkt in der Altstadt von Brandenburg an der Havel. Dass er hier einmal ein Büro haben würde, hätte der gebürtige Brandenburger Anuth 2013 noch nicht gedacht. Im Studium an der damaligen Fachhochschule Brandenburg, heute TH, sollten er und sein Kommilitone Weintraut einen Businessplan für ein neues Produkt schreiben. Spontan dachten beide an die kalten Hände, die sie im Winter bekommen hatten, wenn sie zur Mensa, zur Bibliothek, zum Seminarraum radelten. „Immer wieder mussten wir ja die Handschuhe ausziehen, um in der Tasche nach dem Schlüssel fürs Schloss zu suchen.“ Nervig fanden das die beiden. Sie suchten eine Lösung, fanden sie und schrieben das Konzept fürs Seminar. Das hätte das Ende der Geschichte sein können. Doch das Gründerzentrum der Hochschule war aufmerksam geworden, vermittelte den jungen Männern das Gründer-ABC. Und: Der Innovationspreis der TH lockte. Mit ihrer Idee kamen die zwei angehenden Akademiker auf den dritten Platz. Kurz darauf schon präsentierten sie ihr Projekt auf der Hannover-Messe – obwohl es zu dem Zeitpunkt noch nicht mal einen Prototypen gab: Die beiden frästen ihre Firmenidee in Styropor und kombinierten sie mit LED-Lampen als Modell für den Stand. „Wir waren umlagert, hatten offenbar einen Nerv getroffen“, erzählt Anuth. Zum Start der Fahrradsaison im Frühjahr 2017 soll das „I Lock It“ für 119 Euro in den Handel kommen.Die Serienfertigung ihres Produkts wollen die Brandenburger Unternehmer einem erfahrenen Hersteller überlassen. „Wir brauchen die Zeit, um unser Produkt weiterzuentwickeln“, sagt Anuth. Um es beispielsweise für die dickeren Reifen von E-Bikes oder Mountainbikes kompatibel zu machen.


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