BikeXhain: von der autozentrierten zur menschengerechten Stadt

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Foto: Tim Lehmann

Die Stadtteilgruppen des ADFC sind die bezirklichen Vertretungen des Vereins. Durch ihre eigenständige Organisation sorgen sie für Meinungsvielfalt innerhalb des Landesverbands. Die Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg hat für ihren Bezirk das Leitbild »bikeXhain« erarbeitet. Tim Lehmann, der sich als Stadtplaner seit langem mit urbaner Mobilität beschäftigt, stellt die Vision seiner Stadtteilgruppe vor.

Nirgendwo fahren mehr Berliner Rad als in Friedrichshain-Kreuzberg. Der Radverkehr an der Kreuzberger Zählstelle hat sich seit 2001 fast verdreifacht: An der Zossener Straße Ecke Blücherstraße wurden damals 3.300 Radler gezählt, heute sind es täglich 8.550, Tendenz weiter steigend (Die Pegelzählungen mit Kreuzberg auf S. 15 finden sich hier). In vielen Straßen sind inzwischen mehr Fahrräder unterwegs als Autos. Trotzdem wirken die meisten Straßen wie riesige Parkplätze. Nicht einmal jeder Dritte im Kiez besitzt überhaupt eines der Autos, die hier im Durchschnitt nur 15 Minuten am Tag fahren. Die restliche Zeit bekommen sie wertvollen öffentlichen Raum, um sie abzustellen. Der finanziell klamme Bezirk stellt diese Flächen sogar gratis zur Verfügung. Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr müssen mühsam erkämpft werden. Durch die landesweite ADFC-Kampagne »Fahrradstadt Berlin – jetzt!« kommt auch in unserem Bezirk mehr Bewegung in den Ausbau des Radroutennetzes. Das Umsetzungskonzept des ADFC für die Berliner Radverkehrsstrategie ist ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem steht das Auto noch immer im Mittelpunkt der Verkehrsplanung. Es fehlt der Mut für echte Veränderung. Wir wollen dazu beitragen, eine neue Ära der Verkehrsplanung und Freiraumgestaltung einzuläuten. Das ist nicht einfach, wie wir aus vielen lokalen Projekten wissen. Weil Parkplätze auch in Friedrichshain-Kreuzberg noch immer als heilige Kühe betrachtet werden, fehlt der Platz für zeitgemäße Lösungen. Aber die Trends sprechen für uns: Junge, urbane Menschen definieren Freiheit und Mobilität heute anders als die Generation ihrer Eltern. Ihr Statussymbol ist eher ein neues Smartphone als ein eigenes Auto. Im Zeitalter der Digitalisierung braucht es als Zugang zur Mobilität nur die richtigen Apps und vor allem guten WLAN- oder LTE-Empfang. In Vorreiterstädten wie Kopenhagen und Amsterdam wurde die neue Ära bereits um die Jahrtausendwende eingeleitet, seit 2010 folgen zahlreiche Städte wie Paris, London, New York und viele südamerikanische Metropolen. Sie stecken enorme Summen in die Transformation zur menschengerechten, attraktiven Stadt. Dabei spielt das Fahrrad eine wesentliche Rolle. In immer mehr Städten ist das Chefsache, in Berlin leider noch nicht. aussehen kann, haben wir in einem 10-Punkte-Programm beschrieben.

10-Punkte-Programm

  1. Harmonisierung von Geschwindigkeiten: Nebenstraßen als Begegnungszone oder Fahrradstraße, flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzungen 30 km/h
  2. Bezirksinternes Radwegenetz: an jeder Straße, auch an Wasserstraßen und in Parks sichere, attraktive und gut befahrbare Radfahrmöglichkeiten. Mehrspuriger Fahrradring entlang der Skalitzer und Warschauer Straße
  3. Zubringernetz: separate Multifunktionswege für den Radschnellverkehr, um kreuzungsfrei auch für Pedelecs attraktive Anbindungen an andere Bezirke zu schaffen
  4. Ausreichend Fahrradabstellmöglichkeiten und Fahrradparkhäuser an Ostkreuz und Warschauer Straße
  5. Mobilitäts-Hubs an belebten Orten mit gutem ÖPNV-Anschluss. Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel und Sharing-Angebote
  6. Privatisierung des Parkens: Kostenpflichtiges privates Parken für Kfz im öffentlichen Raum. Gut erreichbare Quartiersgaragen auf außerhalb liegenden Freiflächen
  7. Urbanes Leben: Revitalisierung und Verkehrsberuhigung von urbanen Plätzen
  8. City Logistik: Anlieferung und Versandhandel im innerstädtischen Raum mit platzsparenden Lasten-Pedelecs. Schwerlastverkehr ist in der Innenstadt nicht mehr erlaubt
  9. Beschleunigter und benutzerfreundlicherer ÖPNV
  10. Sharing-Gebot: Car-, Bike- und Ride-Sharing-Angebote

 

In sieben Schritten zum menschengerechten Bezirk

Wir wollen möglichst viele Mitbürger mitnehmen und frühzeitig einbinden. Eine zeitliche Abfolge, in der das Ende der autozentrierten Stadtplanung eingeleitet werden kann, haben wir in sieben Schritten dargestellt. Wir sind überzeugt, dass unser Bezirk in den nächsten Jahren die Transformation von der autozentrierten hin zurZeitsthral menschengerechten Stadt schafft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das vollständige Leitbild bikeXhain als PDF gibt es hier.


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