Bessere Luft dank Radverkehr

In der Potsdamer Zeppelinstraße gibt es plötzlich beidseitig Platz für den Radverkehr.  Grund dafür ist ein Verkehrsversuch, der die Schadstoffbelastung der Luft senken soll. Von Annette Kretschmann

In Potsdam hat sich viel getan für Radfahrende in den letzten Jahren. Sicher ist noch nicht alles perfekt, das zeigen auch immer wiederkehrende Unfälle mit Lkw, aber der stetig steigende Radverkehr beweist den Erfolg der jüngsten Maßnahmen. Die Zeppelinstraße war jedoch ein Negativbeispiel für misslungene Verkehrsplanung früherer Jahre. Auf schmalen Wegen mit Einengungen durch Treppen, Baumscheiben und Hauseinfahrten müssen sich Fußgänger und Radfahrer den Platz teilen, während auf der Straße zwei Spuren je Richtung für den motorisierten Verkehr zur Verfügung stehen. Wollen wir ehrlich sein: eine Verringerung der Fahrspuren, nur um Platz für den Radverkehr zu schaffen, wäre politisch schwer durchsetzbar gewesen. Zu laut tönt die Stimme der Autofahrer über die der Radfahrer, etwa in der lokalen Presseberichterstattung. Doch ein anderes Argument hatte hohes Gewicht: Schlechte Luft. Die regelmäßige Überschreitung der durch die EU vorgeschriebenen Grenzwerte bei Luftschadstoffen in der Zeppelinstraße machte Maßnahmen zwingend notwendig. In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung hat die Stadt Potsdam jetzt einen Maßnahmeplan erstellt, um die hohe Belastung zu reduzieren. Der Modellversuch ist also keine willkürliche Entscheidung um Autofahrer zu ärgern, sondern das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung aller möglichen Maßnahmen.

Endlich Platz fürs Rad: Die Zeppelinstraße vor und nach dem Umbau (Foto bearbeitet). © beide Fotos: Landeshauptstadt Potsdam / Katarina Horn

Während der Laufzeit des Modellversuchs wird der Straßenraum neu aufgeteilt. Für Autofahrer stehen stadteinwärts und stadtauswärts je eine durchgängige Fahrspur sowie eine Abbiegespur zur Verfügung. Stadtauswärts ist für Fahrradfahrer zwischen Geschwister-Scholl-Straße und Kastanienallee ein Radfahrstreifen markiert, der den existierenden Radweg auf der anderen Straßenseite ergänzt. Durch den Modellversuch wird getestet, ob die Neuaufteilung des Straßenraums eine dauerhafte Änderung des Verkehrsverhaltens nach sich zieht. Deshalb werden neben der Schadstoffbelastung auch die Reisezeit, die Verkehrsbelastung auf der Zeppelinstraße und den umliegenden Straßen sowie Verkehrsunfälle erfasst. Anwohner freuen sich über weniger Lärm, Radfahrer über mehr Platz und die Schadstoffbelastung ist nachweislich gesunken. Die Kehrseite: Autofahrer stehen zu Stoßzeiten frustriert im Stau. Bleibt zu hoffen, dass einige von ihnen nun den Umstieg auf Bahn oder Fahrrad erwägen. Dann wäre mehr Platz für die, die tatsächlich Platz auf der Straße brauchen, wie die Linienbusse, Lieferverkehre oder Krankenwagen. Und nebenbei könnten Anwohner ebenso wie Verkehrsteilnehmer eine leisere und sauberere Zeppelinstraße genießen.