Augen und Ohren auf beim Gebrauchtradkauf

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen. Auch für „Saisonfahrer“ ist es also an der Zeit, ihr Velo wieder aus dem Keller zu holen. Oder sich von der alten Rostschleuder zu trennen. Doch gute neue Fahrräder haben ihren Preis – weshalb immer mehr Berliner sich für ein gebrauchtes Rad entscheiden. Beim Kauf des Second-Hand-Velos gilt es einiges zu beachten. VON CLAUDIA LIPPERT.

Zuallererst sollte der Rahmen unter die Lupe genommen werden. Dass ein Rad, das schon einige hundert oder gar tausend Kilometer auf dem Buckel hat, Gebrauchsspuren aufweist, ist normal. Hat der Rahmen aber Dellen oder Risse, heißt es Finger weg. Denn wenn der Rahmen bricht, kann das zu bösen Unfällen führen. Nicht immer sind feine Risse – insbesondere an Schweißnähten – auf den ersten Blick erkennbar. Allein schon deshalb sollte man auf einer Probefahrt bestehen und dabei die Ohren aufhalten. Knackt es im „Gebälk“, ist das ein schlechtes Zeichen.

Bei der Probefahrt auch die Gänge wechseln
Bei einer Probefahrt lasse sich auch feststellen, »ob das Fahrgefühl stimmt, ob das Fahrrad leicht läuft, ob sich enge Kurven sicher fahren lassen und ob das Rad spurtreu geradeaus läuft«, sagt ADFC-Technikexperte René Filippek. Aber noch bevor man sich auf den Sattel schwingt, sollte man die Bremsen prüfen. Das geht am einfachsten, wenn man das Rad bei gezogener Bremse schiebt: Dann müssen die Räder blockieren. Allerdings dürfen sich die Bremsgriffe nicht bis zum Anschlag durchziehen lassen. Und auch bei mehrmaliger Betätigung der Bremse darf der Druck nicht nachlassen.

Nun rauf aufs Rad und munter die Gänge wechseln. Die sollten sich ohne großen Kraftaufwand einlegen lassen, die Kette sollte flüssig über die Ritzel laufen, nicht rostig sein, nicht zu schmutzig, nicht zu ölig. Der Zustand der Kette ist ein guter Indikator dafür, ob das Velo gepflegt ist. Bei der Probefahrt lässt sich auch gleich das Lenkverhalten checken: Keinesfalls darf der Lenker einrasten. Und verbogen sollte er auch nicht sein – das könnte auf einen Unfall hindeuten.

Foto Gebrauchträder

Wer seine Ware so präsentiert wie auf diesem Foto und sie rund um die Uhr der Witterung aussetzt, ist vielleicht nicht die beste Adresse für den Kauf von Gebrauchträdern. Foto: Katrin Starke

Die Räder müssen rund laufen
Auch Pedalen und Kurbeln müssen fest sitzen, aber dennoch leicht zu bewegen sein. Hat das Tretlager Spiel, wenn man die Kurbeln quer zur Fahrtrichtung drückt, sind aufwendige Reparaturen nötig. »Der Kostenaufwand will gut überlegt sein«, sagt Filippek. Außerdem sollten sich die Reifen gleichmäßig bewegen. Dazu empfiehlt es sich, das Fahrrad anzuheben und die Räder einzeln von Hand zu bewegen. Hören sie ganz schnell wieder auf sich zu drehen, ist das ein dicker Minuspunkt auf der Checkliste. Ebenfalls wichtig ist, ob die Reifen noch Profil haben oder womöglich porös sind.

Auch Lichtanlage und Sattel sollten intakt sein. Ist der Sattel verschlissen, ist das zwar kein Grund, das Fahrrad nicht zu kaufen, aber ein Austausch verursacht zusätzliche Kosten. Ein gutes Gebrauchtes kann besser sein als ein billiges Neufahrrad von minderwertiger Qualität.
Was das Second-Hand-Velo kosten darf? Da kann man sich an einer Faustregel orientieren, sofern Neupreis und Alter bekannt sind: Beim Kauf verliert ein Rad 20 Prozent an Wert, nach etwa zwei Jahren ist es nur noch die Hälfte wert – und danach halbiert sich der Wert alle vier Jahre.